Programm "Trainingsraum"
Die Stärkung derEigenverantwortlichkeit von Schülerinnen und Schülern
Die theoretische Grundlage des Programms des eigenverantwortlichen Lernens ist die Wahrnehmungskontrolltheorie (Powers 1973, 1998). Diese besagt, dass unser Verhalten unsere Wahrnehmung steuert, d.h. dass das, was wir wahrnehmen, eine Folge und nicht Ursache unseres Verhaltens ist. Alles Verhalten ist zweckgerichtet. Verhalten wird geändert, um das zu modifizieren, was wir wahrnehmen. Verhalten ist Wunsch- oder auch Zielerfüllung. Handlung wird dann in Gang gesetzt, wenn es eine Diskrepanz gibt zwischen dem, was wir wahrnehmen und dem, was wir wahrnehmen wollen. Jeder Mensch hat seine eigenen Kontrollsysteme und unterschiedliche Referenzsysteme, daher sind Störungen vorprogrammiert.
Folgendes Beispiel kann diese Beobachtung klarmachen:

Der Schüler möchte seine Wahrnehmungen mit seinen Wünschen in Einklang bringen und handelt dementsprechend. Es kommt zu einer Störung. Der Lehrer bemerkt nur die Störung des Unterrichts, er weiß aber nichts über Wunsch und Ziel des Schülers. Hier setzt das Ford Programm an: Es will den Schüler auf sein störendes Verhalten aufmerksam machen.
2. Am Anfang einer Störung stehen 5 Schlüsselfragen:
- Was tust du gerade?
- Gegen welche Regel verstößt du?
- Was passiert, wenn du das tust?
- Wofür entscheidest du dich?
- Wenn du wieder störst, was passiert dann?
Es ist ganz wichtig, dass diese 5 Fragen anfangs auch so gestellt werden, um eine gewisse Routine zu erreichen, später müssen nicht unbedingt alle Fragen nacheinander und auch nicht vollständig gestellt werden.
verhalten will.
Literaturangaben:
Bründel, H. und Simon, E.
Die Stärkung der Eigenverantwortlichkeit von Schülerinnen und Schülern
Heft 24 Landesinstitut für Schule; Beratungslehrerinnen / Beratungslehrer
Bründel, H. und Simon, E.
Die Trainingsraummethode.
Umgang mit Unterrichtsstörungen: klare Regeln, klare Konsequenzen.
Weinheim, Basel, Berlin 2003
Einführung der Trainingsraummethode und erste Evaluationsergebnisse
im Schuljahr 2004/05
Die Schulkonferenz beschloss im Schuljahr 2004/2005, das Trainingsraumprogramm mit folgenden Grundsätzen durchzuführen:
- Die Klassenregeln werden mit den Schülerinnen und Schülern erarbeitet und gut sichtbar in jedem Klassenraum aufgehängt.
- Die Trainingsraummethode wird in jeder Klasse besprochen. und die Bedeutung eigenverantwortlichen Handelns besonders hervorgehoben.
- Der Verfahrensweg bei Unterrichtsstörungen wird den Klassen bekannt gegeben und den Eltern in den Elternpflegschaftssitzungen erklärt.
- Nach dreimaligem Trainingsraumaufenthalt erfolgt ein Gespräch mit den Eltern, nach fünfmaligem Besuch eine pädagogische Konferenz.
Im ersten Probejahr führten wir vermehrt Elterngespräche und pädagogische Konferenzen
durch. Beratungsgespräche und Beobachtungsbögen, die den Schülern und Schülerinnen an die Hand gegeben wurden, erwiesen sich als sehr effektiv. Die Akzeptanz wuchs.
Die Erfahrung zeigte, dass die Unterrichtsstörungen reduziert wurden und daher zunehmend weniger Elterngespräche erforderlich waren. Pädagogische Konferenzen aufgrund von Unterrichtsstörungen gab es zunehmend seltener.
Diagramm: Anzahl der Besuche im Trainingsraum
Diagramm: Gründe für den Besuch des Trainingsraumes
Evaluation zur Methode des Trainigsraumes
im Schuljahr 2005/06
im Schuljahr 2005/06
- Aus fast allen Klassen kamen Schülerinnen und Schüler zum Trainingsraum.
- Aus den Klassen sechs und sieben kamen besonders viele.
- Der überwiegende Teil der Jungen und Mädchen erschien nur einmal (grüne Säule), relativ wenige zweimal (gelbe Säule).
- Im Regelfall wurde ein erneuter Besuch vermieden.
- Bei einigen Schülern war erst durch ein Elterngespräch eine Besserung des Verhaltens sichtbar.
- Bei vier Schülern war ein vierter Aufenthalt im Trainingsraum notwendig.
- Bei drei Jungen bzw. Mädchen wurde die Methode des Trainingsraumes zur Eigenverantwortlichkeit nicht wirksam.
- Als Gründe für den Besuch des Trainigsraumes wurden überwiegend "Reden mit dem Nachbarn" und "Rufen in die Klasse" angeführt.
Kontaktperson: Ursula Stroot (e.stroot@gmx.de)

