Programm "Trainingsraum"



Die Stärkung derEigenverantwortlichkeit von Schülerinnen und Schülern


1.  Erläuterung der theoretischen Grundlagen des Programms:

Die theoretische Grundlage des Programms des eigenverantwortlichen Lernens ist die Wahrnehmungskontrolltheorie (Powers 1973, 1998). Diese besagt, dass unser Verhalten unsere Wahrnehmung steuert, d.h. dass das, was wir wahrnehmen, eine Folge und nicht Ursache unseres Verhaltens ist. Alles Verhalten ist zweckgerichtet. Verhalten wird geändert, um das zu modifizieren, was wir wahrnehmen. Verhalten ist Wunsch- oder auch Zielerfüllung. Handlung wird dann in Gang gesetzt, wenn es eine Diskrepanz gibt zwischen dem, was wir wahrnehmen und dem, was wir wahrnehmen wollen. Jeder Mensch hat seine eigenen Kontrollsysteme und unterschiedliche Referenzsysteme, daher sind Störungen vorprogrammiert.


Folgendes Beispiel kann diese Beobachtung klarmachen: 



Der Schüler möchte seine Wahrnehmungen mit seinen Wünschen in Einklang bringen und handelt dementsprechend. Es kommt zu einer Störung. Der Lehrer bemerkt nur die Störung des Unterrichts, er  weiß aber nichts über Wunsch und Ziel des Schülers. Hier setzt das Ford Programm an: Es will den Schüler auf sein störendes Verhalten aufmerksam machen.

 

 

2.  Am Anfang einer Störung stehen 5 Schlüsselfragen:

  1. Was tust du gerade?
  2. Gegen welche Regel verstößt du?
  3. Was passiert, wenn du das tust?
  4. Wofür entscheidest du dich?
  5. Wenn du wieder störst, was passiert dann?

Es ist ganz wichtig, dass diese 5 Fragen anfangs auch so gestellt werden, um eine gewisse Routine zu erreichen, später müssen nicht unbedingt alle Fragen nacheinander und auch nicht vollständig gestellt werden.

 

Frage 1 soll auf das Verhalten des Schülers, der Schülerin aufmerksam machen .
Frage 2 soll dem Schüler/der Schülerin die eigene Störung bewusst machen
Frage 3 ist die Erinnerung daran, dass er/sie mit dem Regelverstoß Rechte einer 
             anderen Person verletzt.
Frage 4 signalisiert, dass er/sie sich entscheiden kann, wie er/sie sich weiter 
             verhalten will.
Frage 5 macht dem Schüler/der Schülerin die Konsequenzen bewusst.


3.  Der Trainingsraum ist das Herzstück des Programms.

In ihm soll sich der persönliche Lernprozess des Schülers/der Schülerin abspielen. Hier hat er Zeit und Muße, über sein eigenes Verhalten nachzudenken.
Der Trainingsraumlehrer gibt ihm Hilfestellung dabei.
Es geht darum, eine Veränderung herbeizuführen im Denken und Handeln des Schülers/der Schülerin.
Nicht die allgemeine Formulierung: „Ich will nicht mehr stören“, sondern die positive Überlegung ist wichtig: „Wie erreiche ich es, nicht mehr zu stören“.
Es geht im Trainingsraum darum, einen konkreten, messbaren und überschaubaren Plan mit dem Schüler/der Schülerin zu entwerfen.

Literaturangaben:

Bründel, H.  und Simon, E.
Die Stärkung der Eigenverantwortlichkeit von Schülerinnen und Schülern
Heft 24  Landesinstitut für Schule; Beratungslehrerinnen / Beratungslehrer

Bründel, H.  und Simon, E.
Die Trainingsraummethode.
Umgang mit Unterrichtsstörungen: klare Regeln, klare Konsequenzen.
Weinheim, Basel, Berlin 2003



Einführung der Trainingsraummethode und erste Evaluationsergebnisse
im Schuljahr 2004/05

Die Schulkonferenz beschloss im Schuljahr 2004/2005, das Trainingsraumprogramm mit folgenden Grundsätzen durchzuführen:

  1. Die Klassenregeln werden mit den Schülerinnen und Schülern erarbeitet und gut sichtbar in jedem Klassenraum aufgehängt.
  2. Die Trainingsraummethode wird in jeder Klasse besprochen. und die Bedeutung eigenverantwortlichen Handelns besonders hervorgehoben.
  3. Der Verfahrensweg bei Unterrichtsstörungen wird den Klassen bekannt gegeben und den Eltern in den Elternpflegschaftssitzungen erklärt. 
  4.  Nach dreimaligem Trainingsraumaufenthalt erfolgt ein Gespräch mit den Eltern, nach fünfmaligem Besuch eine pädagogische Konferenz.

Im ersten Probejahr führten wir vermehrt Elterngespräche und pädagogische Konferenzen

durch. Beratungsgespräche und Beobachtungsbögen, die den Schülern und Schülerinnen an die Hand gegeben wurden, erwiesen sich als sehr effektiv. Die Akzeptanz wuchs.

Die Erfahrung zeigte, dass die Unterrichtsstörungen reduziert wurden und daher zunehmend weniger Elterngespräche erforderlich waren. Pädagogische Konferenzen aufgrund von Unterrichtsstörungen gab es zunehmend seltener.



Diagramm: Anzahl der Besuche im Trainingsraum

Diagramm: Gründe für den Besuch des Trainingsraumes

Evaluation zur Methode des Trainigsraumes
im Schuljahr 2005/06 
 

  1. Aus fast allen Klassen kamen  Schülerinnen und Schüler zum Trainingsraum.
  2. Aus den Klassen sechs und sieben kamen besonders viele.
  3. Der überwiegende Teil der Jungen und Mädchen erschien nur einmal (grüne Säule), relativ wenige zweimal (gelbe Säule).
  4. Im Regelfall wurde ein erneuter Besuch vermieden.
  5. Bei einigen Schülern war erst durch ein Elterngespräch eine Besserung des Verhaltens sichtbar.
  6. Bei vier Schülern war ein vierter Aufenthalt im Trainingsraum notwendig.
  7. Bei drei Jungen bzw. Mädchen wurde die Methode des Trainingsraumes zur Eigenverantwortlichkeit nicht wirksam.
  8. Als Gründe für den Besuch des Trainigsraumes wurden überwiegend "Reden mit dem Nachbarn" und "Rufen in die Klasse" angeführt.

 

Kontaktperson:  Ursula Stroot   (e.stroot@gmx.de)